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Bemessung von nachträglich installierten Bewehrungsstäben nach EOTA TR 069

Hilti Ingenieurberatung
Lesedauer: < 10 Minuten
Fachartikel

Der technische Report EOTA TR 069 "Design method for anchorages of post-installed reinforcing bars (rebars) with improved bond-splitting behaviour as compared to EN 1992-1-1" regelt erstmalig die Bemessung und Ausführung von Bewehrungsanschlüssen für biegesteife Beton-Beton-Verbindungen auf europäischer Ebene ohne Ausführung als Übergreifungsstoß. Im nachfolgenden Fachartikel werden die wesentlichen Inhalte des TR 069 aufgegriffen und erläutert.

Befestigungs- und Verbindungstechnik
Nachträglicher Bewehrungsanschluss

Bemessung von biegesteifen Bewehrungsanschlüssen ohne Ausführung als Übergreifungsstoß

Nachträglich installierte Bewehrungsanschlüsse haben sich in den letzten Jahrzehnten in der täglichen Baupraxis bewährt. Sie werden sowohl im Neubau als auch bei Renovierungen oder Nutzungsänderungen eingesetzt. Bislang beschränken sich die Anwendungsbereiche der nach EAD 330087-00-0601 [2] qualifizierten Injektionssystemen auf Übergreifungsstöße, Endauflager von gelenkig gelagerten Balken, Bewehrungsstäbe unter Druckbelastung sowie der Verankerung der Zugkraftdeckung. Dies bedeutet, dass die Anschlussbewehrung für momententragfähige Verbindungen immer mittels Übergreifungsstoß ausgeführt werden muss. Dies kann wesentliche Nachteile hinsichtlich Bauablauf, Wirtschaftlichkeit und den Arbeitsschutz haben:

  • Ein Übergreifungsstoß (planmäßige Übergreifung eines einbetonierten Stabes mit einem nachträglich installierten Bewehrungsstab) im Neubau muss vorab geplant werden und auch dort vorhanden sein. Dies ist nicht immer der Fall.

  • Die infolge unterschiedlicher Betonierabschnitte lotrecht herausstehenden Bewehrungseisen können den Arbeitsablauf auf einer Baustelle beeinflussen. Es kann zu einer Beschädigung der Bewehrungseisen und nicht zuletzt auch zu Verletzungen der Arbeiter auf der Baustelle kommen.

  • Im Bestandsbau muss ein Bewehrungsanschluss mittels Übergreifungsstoß in der Regel durch arbeitsintensives Freilegen der Bewehrung erfolgen, bei dem der Beton lokal entfernt wird (siehe Abbildung 1), die Anschlussbewehrung mittels Schweißen ergänzt wird (Abbildung 1c), der lokale Bereich wieder geschlossen wird und letztendlich die Verbindung hergestellt wird (Abbildung 1d).

Vierstufige Darstellung der nachträglichen Bewehrung in einer Decke: (a) Ausgangsbewehrung, (b) Öffnung, (c) Einbau vertikaler Stäbe, (d) fertiger Bewehrungskorb.

Abbildung 1: Arbeitsintensive Erstellung eines Übergreifungsstoßes bei nicht vorhandener Übergreifungsbewehrung im Bestandsbauteil

EOTA TR 069: Momententragfähige Rebar-Verbindungen ohne Übergreifungsstoß auf europäischer Grundlage

Der neue technische Report EOTA TR 069 [1] "Design method for anchorages of post-installed reinforcing bars (rebars) with improved bond-splitting behaviour as compared to EN 1992-1-1" erlaubt die Bemessung von momententragfähigen, nachträglich installierten Stahlbetonverbindungen auf europäischer Ebene ohne Ausführung als Übergreifungsstoß. Als Grundlage zur Ausführung solcher Verbindungen sind Injektionssysteme notwendig, die eine europäisch technische Bewertung (ETA) auf Basis der EAD 332402-00-0601 [3] tragen, zum Beispiel Hilti HIT-HY 200 R V3 und Hilti HIT-RE 500 V4. Der EOTA TR 069 [1] beschränkt sich auf den Nachweis der Verankerungslänge. Die Weiterleitung der Last in das umgebende Bauteil muss separat erfolgen. In der Qualifizierung des Mörtelprodukts wird das Verbundverhalten in Versuchen unter Berücksichtigung der Betondeckung detailliert erfasst und spiegelt sich im rechnerischen Nachweis gegen die Versagensart Herausziehen/Spalten wider. Die Produktqualifizierung ist weit umfangreicher als für Produkte, die ausschließlich nach EN 1992-1-1 [4] bemessen werden dürfen, wofür lediglich die Gleichwertigkeit mit dem Last-Verschiebungsverhalten eines einbetonierten Bewehrungsstabs nachgewiesen werden soll (siehe EAD 330087-00-0601 [2]). Die Qualifizierung auf Basis des europäischen Qualifizierungsdokuments EAD 332402-00-0601 [3] hingegen erlaubt, dass die Leistungswerte des verwendeten Mörtelsystems (Verbundfestigkeit) ausgenutzt werden, wodurch eine wirtschaftliche Lösung bei ausreichender Sicherheit der Verbindung in Abhängigkeit der geometrischen und materialspezifischen Randbedingungen möglich ist. Abbildung 2 zeigt die von EOTA TR 069 [1] abgedeckten Anwendungsbereiche.

TR069-Diagramm mit acht Anschlussarten für nachträgliche Bewehrung: gelenkige Anschlüsse nach EC2 und biegesteife Endverankerungen nach TR069/EC2 für Decke, Wand, Riegel, Stütze und Fundament.

Abbildung 2:Übersicht der neuen nach EOTA TR 069 [1] hinsichtlich Bemessung und Ausführung geregelten Anwendungsbereiche nachträglicher Bewehrungsanschlüsse

Schlussfolgerung

Der technische Report EOTA TR 069 [1] "Design method for anchorages of post-installed reinforcing bars (rebars) with improved bond-splitting behaviour as compared to EN 1992-1-1" erlaubt die Bemessung von momententragfähigen, nachträglich installierten Stahlbetonverbindungen auf europäischer Ebene ohne Ausführung als Übergreifungsstoß.

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[1] EOTA Technical Report TR 069 (2025) Design method for anchorage of post-installed reinforcing bars (rebars) with improved bond-splitting behavior as compared to EN 1992-1-1. August 2025

[2] EOTA European Assessment Document EAD 330087-00-0601 (2020) Systems for post-installed rebar connections with mortar. December 2020

[3] EOTA European Assessment Document EAD 332402-00-0601 (2018) Post-installed reinforcing bar (rebar) connections with improved bond-splitting behaviour under static loading. December 2018

[4] DIN EN 1992-1-1 (2011) Eurocode 2: Bemessung und Konstruktion von Stahlbeton- und Spannbetontragwerken - Teil 1-1: Allgemeine Bemessungsregeln und Regeln für den Hochbau; Deutsche Fassung EN 1992-1-1:2004 + AC:2010. Januar 2011