
Planung, Installation und Dokumentation – Einleitung

Die richtige Auswahl des Brandschutzproduktes, der korrekte Einbau sowie dessen lückenlose Dokumentation sind entscheidend, damit Brandschutz reibungslos umgesetzt und nachgehalten werden kann. Wie die Produktivität in Sachen Brandschutz durch Planung und Ausschreibung gesteigert werden kann, wollen wir in diesem und darauffolgenden Artikeln aufzeigen.
Lesedauer ca. 20 Minuten
Wie hängen diese drei Säulen zusammen?
Das vorrangige Ziel des Brandschutzes besteht darin, Menschenleben zu schützen. So ist es in der Musterbauordnung (MBO) § 14 [1] verankert (Abbildung 1).
Abbildung 1: Auszug aus der MBO [1]
Allein durch den Einbau von passivem Brandschutz kann dies nicht gewährleistet werden. Hier kommen noch andere Maßnahmen hinzu, wie zum Beispiel der aktive Brandschutz, Präventionsmaßnahmen und Warnsysteme. Das Zusammenwirken der verschiedenen Brandschutzmaßnahmen gewährleistet den funktionierenden Brandschutz in einem Gebäude. Diese Maßnahmen müssen in einem Brandschutzkonzept zusammengetragen werden. Das Brandschutzkonzept lässt sich mit einem Uhrwerk vergleichen, in dem alle Teile nahtlos ineinandergreifen müssen. Greift nur ein Zahnrad nicht, kann dies dazu führen, dass das gesamte Uhrwerk nicht mehr richtig arbeitet.
Das Brandschutzkonzept wird von einem Architekten oder einem Fachplaner erstellt. Diese müssen über die Expertise verfügen, individuelle Gegebenheiten eines Gebäudes zu analysieren, um damit ein maßgeschneidertes Brandschutzkonzept entwickeln zu können.
Dabei sollte beachtet werden, dass ein Brand auch in der Bauphase entstehen kann. Kommt es dazu, muss sichergestellt werden, dass das Feuer auch in dieser Phase gekapselt wird und sich nicht auf das ganze Gebäude ausbreiten kann.
Einige Faktoren, die Einfluss auf das Brandschutzkonzept haben, werden im Folgendem erläutert:
● Gebäudeart und -nutzung
Allgemein gibt es bei Privathäusern die geringsten Anforderungen an den Brandschutz. Je größer die Gebäude, desto höher sind auch die Auflagen. In der Regel finden sich die strengsten Standards im industriellen Bereich. Hier besteht oft das Risiko von Chemikalien, die bei einem Unfall die Umwelt schädigen können. Zusätzlich variieren die Brandschutzanforderungen je nach Nutzung des Gebäudes. Wohngebäude haben andere Anforderungen als gewerblich genutzte Gebäude.
● Größe und Höhe des Gebäudes
Größe und Höhe des Gebäudes beeinflussen die Ausbreitung von Feuer und Rauch. Dementsprechend sind die Fluchtwege sowie die erforderlichen Löscheinrichtungen davon abhängig. Je größer und höher das Gebäude ist, desto umfangreicher muss das Brandschutzkonzept sein. Wichtig ist Brandabschnitte zu bilden. Im Falle eines Brandes sorgen diese dafür, dass der Brand gekapselt wird. Feuer und Rauch können sich somit nicht über das ganze Gebäude ausbreiten. Dabei müssen Flucht- und Rettungswege nutzbar bleiben, denn besonders bei hohen Gebäuden sind der Feuerwehr Grenzen gesetzt. In Deutschland hat die Standarddrehleiter eine Höhe von 23m, da Gebäude ab einer Höhe von 22m als Hochhäuser gelten. Laut Vorschrift muss hier die Evakuierung über die Treppenhäuser möglich sein.
● Baustoffe und -konstruktionen
Die verwendeten Baustoffe und Konstruktionen haben Auswirkungen auf die Brandsicherheit.
Brandabschnittsbildende Bauteile aus nicht brennbaren Materialien, bspw. aus Beton, Mauerwerk oder Gips, bieten Feuer und Rauch den besten Widerstand. Wände aus Beton oder Mauerwerk können tragend sein. Für nicht tragende Wände mit Feuerwiderstandsdauer kommen häufig Trockenbauwände zum Einsatz. Meist handelt es sich um mehrfachbeplankte Metallständersysteme. Im Gegensatz zu massiven Bauteilen, wo sowohl Wände als auch Decken bauaufsichtlich geregelt sind, sind es bei Trockenbaukonstruktionen nur die Wände.
In Zeiten des Rohstoffmangels und umweltbewussteren Bauens rückt ein Baustoff immer mehr in den Fokus: Holz. Dieser Baustoff gehört heute noch nicht zu den bauaufsichtlich geregelten Untergründen wie Beton, Mauerwerk und Trockenbauwände und wurde bislang nur für Gebäude der Klassen 1 und 2 verwendet. Heutzutage wird Holz als Baustoff zunehmend für Gebäude höherer Kategorien eingesetzt, was zugleich strengere Brandschutzrichtlinien mit sich bringt. Dies ist sowohl für Planer als auch für Ausführende im Bereich des Brandschutzes eine neue Herausforderung. Neben den Vorgaben der Muster-Holzbaurichtlinien (MHolzBauRL), die den Einbau einer Laibung vorsieht, bietet Hilti geprüfte innovative Lösungen und kommt ohne zusätzliche Bekleidung der Bauteillaibung mit Brandschutzplatten aus (siehe Abbildung 2). Dies spart Zeit bei der Montage und ermöglicht kleinere Schottmaße.
Weitere Informationen dazu finden Sie unter folgendem Link: Brandschutz im Holzbau - Hilti Deutschland
Abbildung 2: Brandschutz von klassisch bis innovativ – Hilti bietet für nahezu alle Fälle eine Lösung
● Anzahl der Personen im Gebäude
Die Anzahl der Personen im Gebäude beeinflusst die Anforderungen an Fluchtwege, Notausgänge und Rettungsmaßnahmen.
●Vorhandene Brandgefahren
Sollten Gebäude oder Anlagen spezifische Brandgefahren aufweisen, wie z.B. Lager von entzündlichen Materialien oder Produktionsanlagen mit hohem Wärmepotential, muss das Brandschutzkonzept im Hinblick auf derartige Gefahren durch entsprechende Schutzmaßnahmen angepasst werden.
● Gesetzliche Vorschriften und Normen
Das Brandschutzkonzept muss den geltenden rechtlichen Vorschriften und Normen entsprechen. Diese können je nach Land, Region oder Gebäudekategorien variieren.
Im abschließenden Brandschutzkonzept sollten sämtliche Maßnahmen detailliert beschrieben sein, um im Nachhinein unnötigen Mehraufwand aufgrund fehlerhafter Abschottungen zu vermeiden. Das zu verwendete Brandschutzprodukt sollte im Idealfall vom Fachplaner vordefiniert sein. Die Praxis zeigt jedoch, vor allem im passiven Brandschutz wird häufig nur das Bauteil mit seiner benötigten Feuerwiderstandsdauer definiert und die Wahl des Brandschutzproduktes wird der ausführenden Firma überlassen.
Eine zeitige Planung ist unerlässlich, um einen reibungslosen Bauablauf zu gewährleisten. Technologien wie BIM (Building Information Modeling) können dabei helfen, bereits in der Entwurfsphase die Installationen entsprechend den Vorgaben (z.B. ETA/aBG/aBP) an das ausgewählte Brandschutzprodukt anzupassen.
Da hierbei alle Gewerke in der Entwurfsphase zusammenarbeiten, können so effizientere Lösungen geplant werden. Bereits vor Beginn des Rohbaus sind alle erforderlichen Medien und Abstände im Modell bekannt. Dadurch kann die Wahl des passenden Brandschutzprodukts bereits im Voraus erfolgen.
Für mehr Informationen darüber, wie Hilti Sie bei Fragen rund um das Thema BIM unterstützen kann, besuchen Sie bitte den folgenden Link: BIM Services - Hilti Deutschland
Zusammenfassung
Der Brandschutz ist entscheidend für den Schutz von Menschenleben, deshalb bedarf es eines koordinierten Zusammenspiels verschiedener Maßnahmen. Ein wichtiger Beitrag dazu leistet das Brandschutzkonzept, welches vom Bauherrn beauftragt und vom Brandschutzplaner oder Brandschutzsachverständigen erstellt wird. Während der Konzepterstellung wird in der Regel das gesamte Gebäude betrachtet, jedoch nicht im Detail die einzelnen Abschottungsmaßnahmen (Traditionelle Vorgehensweise siehe Abbildung 3). Dies wird aber immer wichtiger, wenn z.B. ein Projekt nach der BIM-Methodik geplant wird, ist es zwingend erforderlich schon eine detaillierte Planung vorzunehmen. 
Abbildung 3: Frühzeitige Planung von Brandschutzlösungen erspart Zeit und Kosten
Die Planung der Brandabschottungen sollte Hand in Hand mit der TGA-Planung erfolgen. Sind die Parameter, wie zum Beispiel Abstände, Durchmesser und Materialien der Installationsleitungen bekannt, können hier bereits die Brandschutzprodukte anhand von ETA/aBG/aBP nach den nationalen Vorschriften gewählt werden.
In den kommenden Artikeln möchten wir Ihnen die einzelnen Säulen näher erläutern und Ihnen aufzeigen, welche Aspekte zu beachten sind und wie wir Sie bei der Planung, Ausführung und Dokumentation unterstützen können.
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